Städtebauliches Leitbild zum Hafenquartier entsteht

Im Prozess zur Hafenentwicklung in Hard wurde in den vergangenen Monaten intensiv weitergearbeitet. Nach der erfolgreichen Beteiligung der Harderinnen und Harder beim „Open Space“ Ende Juni sind nun die Expertengruppe und das Beraterteam erneut am Zug: Bis Jahresende erarbeiten sie das Städtebauliche Leitbild.

Ende Juni präsentierte die Gemeinde den Harderinnen und Hardern die detaillierten Gestaltungsoptionen zur Zukunft des Hafenareals. Im Rahmen eines eigens entwickelten Szenariospiels wurden die Vor- und Nachteile der einzelnen Vorschläge in moderierten Gruppen gegeneinander abgewogen und zusammengefasst. Das daraus gemeinsam mit der Harder ExpertInnengruppe entwickelte Bild, wird nunmehr auf seine technische Umsetzbarkeit hin geprüft. Dieser Prozess dient als Grundlage für die Ausarbeitung eines sogenannten Städtebaulichen Leitbilds. Nach einer öffentlichen Präsentation wird dieses in Folge der Gemeindevertretung zur Beschlussfassung vorgelegt.

Die Harder Expertengruppe entwickelt auf Basis der Ergebnisse des Open Space das Städtebauliche Leitbild zum Hafenquartier. (Fotocredits: Marktgemeinde Hard)

Synergien mit der „DORFseeLE“

Parallel zur Arbeit am Hafenquartier hat auch die Steuerungsgruppe der Gemeinde die Arbeit am Projekt „DORFseeLE“ wieder aufgenommen. Beide Projekte werden gemeinsam bearbeitet, um eine integrative Entwicklung zu sichern. Die Dorfseele bietet mit ihrer Fülle an verfügbaren Flächen über großes Potenzial, einen lebendigen Begegnungsraum vom Hafenareal und der Kirche bis zum Rathaus zu gestalten.

Die Harderinnen und Harder diskutieren mit beim Open Space im Bauhof. (Fotoscredits: Frederick Sams)

Umsetzung und weitere Beteiligungen

Mit dem Städtebaulichen Leitbild liegt der Rahmen für die konkrete Entwicklung vor. Es stellt sicher, dass die nachfolgenden Einzelprojekte in das Gesamtbild passen. Für die weitere Ausarbeitung beider Projekte, der DORFseeLE wie auch der Hafenentwicklung, ist auch für die kommenden Schritte die Einbeziehung der Harderinnen und Harder geplant. Sie sollen die Expertengruppe bei ihrer Arbeit unterstützen.

Austausch mit Zukunftsbüro

Auch das Büro für Zukunftsfragen des Landes Vorarlberg verfolgt den innovativen Prozess zur Hafenentwicklung mit seinen unterschiedlichen Formaten der Bürgerbeteiligung mit regem Interesse. „Wir verstehen uns als Impulsgeber und Schnittstelle für zukunftsfähige Entwicklungsprozesse. Der Prozess und auch die Beteiligung der Öffentlichkeit beim Projekt zur Hafenentwicklung erachten wir hier als sehr ambitioniert“, so Bertram Meusburger, interimistischer Leiter des Zukunftsbüros und verantwortlich für den Bereich „Nachhaltige Gemeinde- und Regionalentwicklung“.

Große Beteiligung beim Open Space

Am Samstag, den 30. Juni 2018, trafen sich auf Einladung der Gemeinde rund 250 Harderinnen und Harder im Bauhof in Hard. Beim Open Space zur Zukunft des Hafenareals diskutierten sie dabei gemeinsam über die möglichen Gestaltungsoptionen der vier internationalen Planungsbüros sowie über die Ergebnisse der Schüler/innen- und Jugendbeteiligung. Open Space ist eine Methode zur strukturierten Diskussion mit großen Gruppen. Das Format bildete den idealen Rahmen für eine breite, aktive und informierte Bürger/innenbeteiligung und damit einen bedeutenden Baustein im Prozess zur Hafenentwicklung in Hard. Die Ergebnisse der rund sechsstündigen Veranstaltung dienen der Harder Expert/innengruppe für die weitere Projektarbeit.

Rund 250 interessierte Harderinnen und Harder kamen zum Open Space in den Bauhof.

Breite Diskussion zur Zukunft des Hafenareals

„Wir freuen uns sehr über das große Interesse und die aktive Beteiligung beim Open Space. Das bestätigt die große Bedeutung unseres Hafenareals und dessen zukünftige Entwicklung bei der Bevölkerung“, beschreibt Bürgermeister Harald Köhlmeier den guten Verlauf der Bürger/innenbeteiligung. Das Harder Hafengebiet zählt für die Gemeinde zu einem der schönsten Orte des Landes. Die positive Entwicklung dieses einmaligen Natur-, Freizeit- und Wirtschaftsraumes hat daher einen sehr hohen Stellenwert.

Die Schüler/innen und Jugendlichen präsentierten ihre Ideen zur zukünftigen Leben am See in Hard.

Anziehungspunkt Harder Hafengebiet

Tatsächlich zieht das Hafenareal mit seinem Gondelhafen, dem Strandbad, dem Bodenseeradweg und natürlich mit der Auflandungsfläche und dem Grünen Damm schon heute eine Vielzahl an Menschen an. Diese kommen aus der Gemeinde, dem Rheintal und dem gesamten Bodenseeraum. Das Projekt zielt auf eine sowohl ökologisch, sozial wie auch ökonomisch nachhaltige Entwicklung ab. Daneben geht es auch um eine attraktivere Gestaltung von Anlagen wie etwa dem Strandbad.

In den Szenario-Games – einzelne, kleinere Diskussiongruppen – brachten die Bürger/innen von Hard ihre Ideen ein.

„Wir wollten einen Rahmen schaffen, der es möglichst vielen Harderinnen und Harder erlaubt, die Zukunft unseres Hafenareals mitzugestalten und diese damit mitzutragen“, sieht sich Köhlmeier mit dem Entwicklungsprozess auf dem richtigen Weg. Die große und aktive Beteiligung beim Open Space bestätigte das eindrucksvoll.

Weitere Schritte

Die Vorschläge, Einwände und Empfehlungen beim Open Space werden nun zusammengefasst und dienen der Harder Expert/innengruppe für die weitere Projektarbeit. Schlussendlich wird daraus ein gemeinsames Zukunftsbild zum Leben am See und dem Hafenareal in Hard entwickelt und der Gemeindevertretung vorgelegt. Je nach den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Gemeinde und bei gesicherter Finanzierung werden anschließend einzelne Projekte Schritt für Schritt umgesetzt.

(Bildquelle: Fredrick Sams)

Internationale Büros zu Gast: Zukunftsbilder für Hard gesucht

Im Rahmen des Beteiligungsprozesses waren am 8. und 9. Jänner 2018 Vertreterinnen und Vertreter von vier internationalen und renommierten Planungsbüros zu Gast in Hard. Deren Ziel war es, sich ein persönliches Bild von der Bodenseegemeinde, dem Hafenquartier im Speziellen und den Harderinnen und Hardern zu machen.

Gemeinsam mit Einheimischen erkundeten die angereisten SpezialistInnen der Büros Urban Agency, Dow Jones Architects, Snøhetta und Avanto Architects das Harder Hafengebiet, weitere ausgewählte Orte und Einrichtungen in Hard und erhielten Informationen und Auskünfte zu den örtlichen Gegebenheiten.

Gemeinwohl für künftige Generationen im Mittelpunkt

„Von den internationalen Gestaltungsbüros erwarte ich mir kraftvolle und mutige Visionen für das Hard von morgen. Gemeinsam mit den Harderinnen und Hardern werden wir alle Anstrengungen unternehmen, um daraus ein realistisches und motivierendes Bild für das Hafenquartier von morgen zu machen und nach den gegebenen Möglichkeiten schrittweise umzusetzen. Darauf freue ich mich schon sehr“, so Bürgermeister Harald Köhlmeier.

Der nächste Schritt im Prozess: Aufbauend auf ihren gesammelten Eindrücken werden die Büros der Harder ExpertInnen-Gruppe Impulse geben und sie in der Erstellung von Zukunftsbildern für Hard und das Hafenquartier inspirieren.

Fragen an die Projekt- und Prozessbegleiter

Welche Bedeutung hat für Sie das Harder Hafenquartier?

„Eine enorm Große! Die Gebiete rund um das Harder Binnenbecken, das inzwischen in die Jahre gekommene Strandbad und die unterschiedlichen Hafenabschnitte, von Zollhafen bis Industriehafen, bilden einen äußerst wertvollen Natur- und Naherholungsraum – für Hard, aber auch darüber hinaus. Es ist unsere Verantwortung als Gemeinde, diese kostbare Ressource bestmöglich für die Zukunft zu gestalten und damit zu erhalten. Wir brauchen ein gemeinsames, tragfähiges Bild für das Hard von morgen. Das sind wir uns und folgenden Generationen schuldig.“

Harald Köhlmeier, seit 2010 Bürgermeister von Hard

Was ist aus architektonischer Sicht vom diesem Weg für die Hafenentwicklung Hard zu erwarten?

„Aufgrund der Impulse von international angesehenen Planungsteams, sowie der aktiven Beteiligung der Bevölkerung und von ExpertInnen aus Hard, dürfen wir ganz neue und interessante Ansätze erwarten. Wir profitieren hier vom Blick von außen und der Erfahrung der Beteiligten im Umgang mit dem Thema Bauen am Wasser. Ich freue mich auf vielfältige und architektonisch wertvolle Inputs.“

Wolfgang Fiel, Architekt und fachlicher Prozessbegleiter

ARCHITEKTUR_KUSTUNI-LINZ___©_KURT HOERBST 2016
Wolfgang Fiel @ Kurt Hoerbst

Zur Person:
Geboren 1973 in Alberschwende; Architekturstudien in Wien und London; Doktorat zum Thema „Partizipative Aneignungs- und Beteiligungsprozesse“; Unterrichtet aktuell an der Universität für angewandte Kunst in Wien und ist Co-Direktor des „Institute for cultural policy“ mit Sitz in Wien. Kurator der internationalen Wanderausstellung „Getting Things Done: Evolution of the Built Environment in Vorarlberg“.

Was sind die Besonderheiten in diesem neuen Beteiligungsprozess?

„Dieses Beteiligungsverfahren vereint die folgenden Qualitäten, die in ihrer Kombination einen innovativen Prozess ergeben: Erstens verstehen wir die BürgerInnen von Hard als „Anwendungsspezialisten“. Sie wirken daher in unterschiedlichen Formaten als ExpertInnen bei jedem Schritt mit – je nachdem, welche Expertise sie einbringen.

Zweitens setzen wir konsequent auf eine ausgewählte, internationale Expertise: Vier Gestaltungsteams bringen konkrete Impulse und qualifizieren die lokalen ExpertInnen, um selbst kompetente GestalterInnen sein zu können.

Drittens führt der Entwicklungsprozess zu einem ganzheitlichen Zukunftsbild. Dieses nimmt nicht nur aktuelle Planungsfragen auf, sondern fragt auch nach zukünftigen Ansprüchen der Menschen von Hard. Diese ganzheitliche, kulturelle Nachhaltigkeit definiert dann auch die zukünftige Rolle der Marktgemeinde im Rheintal.“

Franz Schmidt, Prozessberater; gestaltete und begleitet den Prozess zur Hafenentwicklung

Franz Schmidt, Prozessberater © Franziska Messner-Rast
Franz Schmidt © Franziska Messner-Rast

Zur Person:
Geboren 1959 in der Steiermark; Studium der Betriebswirtschaft mit den Schwerpunkten Strategische Unternehmensführung und Organisationsentwicklung, Lehraufträge an den Universitäten Wien, Klagenfurt und an der FH Salzburg, Mitglied AIEST, Gründungsgesellschafter der invent GmbH Wien (1997).